BERICHTE
16.7.2006
Kastrationsaktion der Tierhilfe Kos in Kooperation mit
Friends of the Animals of Kos
Ein Team von acht Personen, bestehend aus Tierärzten unter der Leitung von Dr. Christa Truls, Maria Winterleitner (Obfrau der Tierhilfe Kos) und freiwilligen Helfern, war vom 24. Mai bis 1. Juni auf der Insel Kos. Gemeinsam mit dem einheimischen Tierarzt wurden 112 Tiere - Hunde und sehr viele Katzen - kastriert und medizinisch versorgt. Ermöglicht wurde diese Aktion durch zahlreiche Spenden und die großzügige Unterstützung des Europäischen Tierschutzvereines.
Viele der Tiere waren bereits trächtig. Darunter auch eine Hündin, deren Gebärmutter durch zu viele Würfe bereits zerstört war. Sie hätte es nicht überlebt, noch einmal trächtig zu werden. Aufgrund der zahlreichen Würfe - wahrscheinlich drei- bis viermal pro Jahr - gab es auch sehr viele Brustentzündungen zu behandeln. Einige Tiere wiesen auch alte Verletzungen auf, wie schlecht verheilte Knochenbrüche, Augenverletzungen und ähnliches.

Das Team war sehr erfreut über die gute Kooperation mit den einheimischen Tierschützern. Sie halfen tatkräftig beim Einfangen der Katzen und beim Wiederaussetzen nach der Operation. Die Tierschützer übernahmen auch die Beobachtung der Tiere nach der Kastration. Wir wurden sehr freudig willkommen geheißen und es herrschte großes Interesse und Neugierde an unserer Tätigkeit. Viele der Griechen sind Kastrationsprojekten gegenüber sehr aufgeschlossen und finden diese auch notwendig.
Die Basis für diese Kooperation bildete die jahrelange Öffentlichkeitsarbeit von Jaana und Vangelis Trakossa vom Verein "Friends of the Animals of Kos". Ihnen haben wir auch zu verdanken, dass das griechische Lokalfernsehen einen Bericht über die Kastrationsaktion ausstrahlte.
Dieses Projekt bestärkte uns in der Ansicht, dass sinnvolle Hilfe vor Ort nur mit der Unterstützung der örtlichen Bevölkerung, bestehenden Tierschutzorganisationen und Tierärzten vor Ort möglich ist! Dr. Yiannis Thalassinos übernahm einen Teil der Kastrationen und half auch mit Futterspenden. Laut Meinung von Dr. Thalassinos mögen es die Bewohner von Kos nicht, wenn Griechenland von ausländischen Tierschutzorganisationen als unterentwickeltes Land dargestellt wird. Auch Entscheidungen über ihren Kopf hinweg schätzen sie gar nicht. Der nicht immer zimperliche Umgang mit Tieren hat auch historische Gründe: Vor noch nicht allzu langer Zeit lebten die Bewohner von Kos von der Landwirtschaft und Viehzucht. Durch wildernde Hunderudel verloren sie oft Schafe und Ziegen. Diese Vorkommnisse prägen bis heute die Mentalität der Menschen und den Umgang mit den Tieren. Dies führte dazu, dass sehr viele Hunde als Kettenhunde gehalten und Streuner vergiftet werden.
Dies entschuldigt jedoch nicht solche Vorkommnisse wie auf den folgenden Bildern: Ein Pitbull wurde in der Stadt Kos eingefangen, weil er eine tiefe Wunde am Hals hatte. Anhand der ca. 4 cm breiten und ebenso tiefen Wunde und Abschürfungen an den Beinen erkannte die Tierärztin, dass er offensichtlich an einer Kette hängend von einem Auto nachgeschliffen wurde.
Leider sind nicht alle Einheimischen unseren Bemühungen gegenüber aufgeschlossen. So werden Katzenmütter mit ihren Jungen bei glühender Hitze in ein Auto gesperrt, "um sie vor den streunenden Hunden zu schützen". Der selbsternannte "Betreuer" verweigerte auch unser Angebot, die Katzen zu kastrieren. In dem Auto herrschte bestialischer Gestank, zwischen den unternährten Katzen lagen sogar bereits tote Tiere!
Vangelis Trakossa ist ständig bemüht, Aufklärungsarbeit zu leisten. Er initiiert Schulprojekte und schreibt Artikel für lokale Zeitungen. Auch im lokalen Fernsehen tritt er immer wieder für einen artgerechten Umgang mit Tieren ein. Wo es nicht anders geht, schaltet er auch Behörden und Gerichte ein.
Nochmals unser Dank an alle Spender und Mitglieder und an den Europäischen Tierschutzverein. Ein ganz besonderes Danke an Jaana und Vangelis Trakossa für ihre aufopfernde Hilfe vor Ort und an Dr. Yiannis Thalassinos. Sollten Sie tierärztliche Hilfe auf Kos benötigen, hier seine Telefonnummer: 22420 24726. Dr. Thalassinos spricht englisch.
Unser Dank gebührt aber natürlich auch den Tierärzten und freiwilligen Helfern sowie den Helfern vor Ort! Hier ganz besonders Frau Dr. Christa Truls, die uns auch in Österreich immer wieder helfend zur Seite steht.
Der große Erfolg unserer Aktion bestärkte uns in unserem Vorhaben, im Herbst wieder zu kommen. Neben Kastrationen und medizinischer Versorgung sind auch wichtige bauliche Adaptionen auf dem Areal von Vangelis Trakossa notwendig. Die Hunde sollen mittels hohen Zäunen von den Katzen getrennt werden, da Katzen immer wieder verletzt oder getötet werden. Weiters werden Hundehütten für den Winter benötigt. Die griechischen Winter sind zwar bedeutend milder als unsere, ein Schutz vor Regen und Kälte ist aber trotzdem notwendig.
Für die Errichtung der Zäune haben wir bereits einen Kostenvoranschlag von rund 4.000,- Euro eingeholt. Auch für das Kastrationsprojekt im Herbst brauchen wir Geldspenden und Katzenfallen - diese auch gerne nur leihweise. Derzeit ist unser Vereinskonto fast leer.
Auch Sachspenden sind willkommen. Unser Bedarf an Medikamenten und OP-Material für unsere nächste Kastrationsaktion:
Rasierer, Einwegspritzen 2ml u. 5 ml, sterile OP-Handschuhe Gr. 6,5 u. 7, gelbe und graue Einwegnadeln, Desinfektionsmittel Isozid und Wundesin, Augensalbe, Einwegabdecktücher, Desinfektionsmittel für Besteck, sterile Tupfer, Zwangskäfig.
Medikamente: Atropin, Combelen oder Sedalin, Heptadon, Ketamin, Antibiotika, Schmerzmittel (z.B. Rimadyl), Sterofundin und Infusionsbesteck, Respirot-Tropfen.
OP-Besteck: Backhausklemmen, Skalpell und Skalpellhalter, Scheren, Pinzetten, Peans, Kastrationshaken, Nadelhalter.
Nahtmaterial: Catgut 2.0 Flachspule, Vicryl 2.0, Dexon 2.0.
